{"id":1233,"date":"2017-10-11T18:36:22","date_gmt":"2017-10-11T18:36:22","guid":{"rendered":"http:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/?p=1233"},"modified":"2019-05-29T18:38:40","modified_gmt":"2019-05-29T18:38:40","slug":"was-gab-es-neues-in-dzalalabad-im-jahr-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/?p=1233","title":{"rendered":"Was gab es Neues in Dzalalabad im Jahr 2010?"},"content":{"rendered":"<p>Das Jahr 2010 war f\u00fcr uns reich an Ereignissen.<\/p>\n<h3>Revolution und Krieg<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/de\/img_news\/2010_1.jpg\" align=\"right\" \/><\/p>\n<p>Am 7. April, als Damian gemeinsam mit zwei Freiwilligen, die auf einer Baustelle in Issyk-Kul arbeiteten, gerade in Bischkek ankam, brach die Revolution aus. In der N\u00e4he des Pr\u00e4sidentenpalastes kamen ungef\u00e4hr 90 Demonstrierende ums Leben, der Pr\u00e4sident fl\u00fcchtete in den S\u00fcden des Landes (also in die Region von Dzalalabad). Nachts wurden Hunderte von Gesch\u00e4ften entweder ausgeraubt oder verbrannt.<\/p>\n<p>Nach ungef\u00e4hr zwei Wochen kamen die Unruhen nach Dzalalabad: zuerst besetzten die Anh\u00e4nger des gest\u00fcrzten Pr\u00e4sidenten das Amt des Bezirkes, nicht weit von unserer Kirche, danach konnten sie von dort verdr\u00e4ngt werden; es wurden die H\u00e4user des Pr\u00e4sidenten Bakijew in der Vorstadt verbrannt. Kurze Zeit darauf begannen die Kirgisen, aus Unzufriedenheit \u00fcber die Teilnahme der Usbeken an den K\u00e4mpfen, die usbekische Universit\u00e4t anzugreifen. Nur mit M\u00fche gelang es der Miliz, die Menschenmengen aus einigen tausend Usbeken und Kirgisen zu trennen. Dabei kamen einige Menschen ums Leben, einige Dutzend wurden verletzt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/de\/img_news\/2010_2.jpg\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Zwei Wochen sp\u00e4ter kam es zu einer \u00dcberschwemmung, die auch unser Haus betraf \u2013 in der Folge mussten die B\u00f6den gewechselt werden. Es schien, dass die Naturgewalt die Menschen beruhigen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Anfang Juni, nach einer n\u00e4chtlichen Pr\u00fcgelei zwischen der usbekischen und der kirgisischen Jugend, begannen die Unruhen und K\u00e4mpfe leider auch in Osch, wo wir auch eine Kapelle haben. Am n\u00e4chsten Tag begannen die K\u00e4mpfe in Dzalalabad und Umgebung. Junge Kirgisen brachten gepanzerte Transportfahrzeuge in ihre Gewalt und griffen von Usbeken bewohnte Regionen an, sie verbrannten H\u00e4user und pl\u00fcnderten sie aus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/de\/img_news\/2010_3.jpg\" align=\"right\" \/><\/p>\n<p><i>\u201eAm Sonntag mittag betrat eine 3000- Mann starke Gruppe die Stadt und es begannen K\u00e4mpfe am Ende unserer Stra\u00dfe, wegen des starken Widerstandes der Usbeken wichen die Aggressoren ins Zentrum aus. Einige Familien mit kleinen Kindern fanden bei uns Unterschlupf: Kirgisen, Usbeken und Russen (Mitglieder unserer Gemeinde). Viele Gesch\u00e4fte, Hotels und Gastst\u00e4tten sowie H\u00e4user an der Hauptstra\u00dfe, die Usbeken geh\u00f6rten, wurden verbrannt. Erst heute fr\u00fch wurden die Sch\u00fcsse leiser, es blieben usbekische Barrikaden aus gef\u00e4llten B\u00e4umen und Steine zur\u00fcck, die den Weg auf Mahal (ein usbekischer Bezirk) versperrten. Aus dem s\u00fcdlichen, von den K\u00e4mpfen betroffenen Teil Kirgisiens, fl\u00fcchteten ungef\u00e4hr 100 000 Menschen nach Usbekistan. Nun geht die Angst um, weil in all dem kriminelle Kr\u00e4fte am Wirken sind, und sie sind sehr aktiv. Die Regierung f\u00fchrte Kriegsrecht ein, es gibt Polieistunde, am Tag gibt es in der Stadt sehr wenig Verkehr, nur Kirgisen, es fehlt an Nahrung, erst heute kann man nach langem Anstehen Brot kaufen. Es gibt wieder Strom, Gas ist noch nicht da. Von unseren wenigen Gemeindemitgliedern in Dzalalabad und Osch wurde niemand in Mitleidenschaaft gezogen. Als die Telefonleitungen wieder funktionierten, nahmen wir Kontakt zu ihnen auf.\u201d (Bericht von Pater Krysztof)<\/i><\/p>\n<p>Junge 17-18 Jahre alte Kirgisen liefen bewaffnet in der Stadt herum, als w\u00e4ren es Aufnahmen zu einem Film. Nach diesen Unruhen gab es viele Pl\u00fcnderungen und Brandstiftungen. Die Zahl der Opfer wird offiziell mit circa 400 angegeben, 3000 H\u00e4user wurden verbrannt, darunter \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, Gesch\u00e4fte, Krankenh\u00e4user \u2013 die meisten in Osch.<\/p>\n<p>Zurzeit ist es schwer zu beurteilen, was weiter geschehen wird, doch man muss unterstreichen, dass viel Blut vergossen und viel Hass ges\u00e4t wurden, wogegen man nur mit Gottes Hilfe k\u00e4mpfen kann. Ein gro\u00dfes Problem ist der Mangel an Moral bei der Jugend. Leider ist ein Teil unserer Gemeindemitglieder nach dem Ende der K\u00e4mpfe emigriert \u2013 darunter auch Familie Rodziewicz aus Osch nach Lodz.<\/p>\n<p>Gleich nach den Ereignissen in Osch und Dzalalabad kamen Vertreter vom Catholic Reliev Service, um eine breit angelegte humanit\u00e4re Hilfe f\u00fcr die Kriegsopfer zu starten. Sie teilten an Bed\u00fcrftige all das aus, was zum \u00dcberleben notwendig war, und leiteten auch den Wiederaufbau der H\u00e4user ein. Sie \u00fcbergaben auch einige Hundert Matrazen und Bettw\u00e4sche f\u00fcr die Behindertenh\u00e4user und f\u00fcr das Exerzitienhaus in Issyk-Kul. Wir selbst halfen mit bei der Renovierung der Warmwasserleitung des Hauses f\u00fcr behinderte Kinder in Dzalalabad. Pater Krzysztof leitete die \u00dcbergabe des VW-Busses an das Haus f\u00fcr geistig Behinderte in Kizyl-kija ein, bis dahin wurde der Bus von dem Priester Jerzy benutzt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/de\/img_news\/2010_5.jpg\" align=\"right\" \/><\/p>\n<p>Sehr wichtig war f\u00fcr uns der zweimalige Besuch der Missionarinnen der N\u00e4chstenliebe, die unter der Leitung ihrer Provinzoberin aus Taschkent, Schwester Mai und unter Mithilfe von Pater Krzysztof, \u00fcber einen Monat 1100 usbekische Familien in Dzalalabad und Osch besuchten. Sie spendeten nicht nur materielle Hilfe, sondern gossen auch Hoffnung in menschliche Herzen ein. Wie ein Moslem nach ihrem Besuch sagte: \u201eGut, dass es Christen gibt.\u201d Wir hoffen, dass die Mutter-Theresa-Schwestern aus Kalkutta f\u00fcr immer zu uns kommen, und wir bitten die Freunde unserer Mission daf\u00fcr zu beten.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem \u2013 Dank der Hilfe verschiedener Sponsoren &#8212; konnten auch wir selbst ungef\u00e4hr 200 der am meisten bed\u00fcrftigen Familien helfen; es sind Opfer der K\u00e4mpfe und Arme.<\/p>\n<p>Wie jedes Jahr Anfang September kam zu uns Frau Hannelore aus Bayern. Sie half unseren Gemeindemitgliedern, Behinderten, \u00e4lteren einsamen Menschen und auch Opfern des ethnischen Konfliktes. Sie spendete insgesamt 7000 Euro.<\/p>\n<h3>Bau des Exerzitien- und Erholungshauses am Issyk-Kul und Ferienaktion<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/de\/img_news\/2010_6.jpg\" align=\"right\" \/><\/p>\n<p>Das ganze Jahr \u00fcber verbrachte Damian viel Zeit auf dem Bau des Exerzitien- und Erholungzentrums.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Revolution gab es Versuche, das Land einzunehmen, und das \u201eRevolutionskomitee\u201d verlangte von Damian mehr als 2000 Dollar.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der K\u00e4mpfe in Dzalalabad arbeiteten auf dem Bau Freiwillige aus Slowenien, sie errichteten innerhalb von 6 Tagen das Dach. Schon Ende Juli fand in dem noch nicht fertiggestellten Geb\u00e4ude das erste Lager f\u00fcr unsere Jugend aus Kirgisien und Usbekistan statt. Insgesamt gab es 7 Lager: f\u00fcr Kinder aus der Gemeinde in Kirgisien, f\u00fcr behinderte Kinder aus Dzalalabad und Bishkek, f\u00fcr das Kinderhaus aus Osch, f\u00fcr Kinder aus der Organisation der Polnischst\u00e4mmigen \u201eOdrodzenie\u201d (\u201eWiedergeburt\u201d) und f\u00fcr Kinder aus der Musikschule \u2013 insgesamt circa 300 Personen. Im September nahmen dort Franziskanerinnen unter der Leitung unseres Provinzials aus Moskau Tony Corcorana an Exerzitien teil.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/de\/img_news\/2010_7.jpg\" \/>\u00a0<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/de\/img_news\/2010_8.jpg\" \/><\/center>Gegenw\u00e4rtig sind noch circa 15000 Euro n\u00f6tig, um das dritte Stockwerk fertigzustellen, so dass im kommenden Jahr mehr Kinder f\u00fcr die Lager aufgenommen werden k\u00f6nnten. Pater Krysztof war einige Tage mit Gemeindemitgliedern am Toktgulskisee.<\/p>\n<p>Im Sommer kam aus Polen zu uns Pater Remigiusz Kalski. Anfangs half er Pater Krzysztof bei der humanit\u00e4ren Aktion, nach dessen Abreise in die Ferien vertrat er ihn in der Gemeindearbeit. Er lernt intensiv russisch (in der hiesigen Universit\u00e4t), leitet Vorlesungen in Englisch f\u00fcr Studenten. Bruder Wladimir Paszkow lehrt bei uns wie im Vorjahr Russisch, Deutsch und Franz\u00f6sisch. Inzwischen spricht er nicht schlecht kirgisisch, usbekisch und t\u00fcrkisch.<\/p>\n<p>Es gelang uns, eine n\u00e4chste Wohnung in der benachbarten Baracke zu kaufen. Dort haben wir ein G\u00e4stezimmer und ein Lager der humanit\u00e4ren Hilfe eingerichtet. Au\u00dferdem ist unser Garten viel gr\u00f6\u00dfer geworden. Gleichzeitig wurde eine Renovierung der Heizungsanlage aller zur Pfarrei geh\u00f6renden Geb\u00e4ude durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/de\/img_news\/2010_10.jpg\" align=\"right\" \/>Wir haben mehr und mehr Problemen mit unsere Autos (18 und 12 Jahre alt), so Golf wir haben verkauft. Wir haben benutzte Toyota Landcruiser gekauft, die f\u00fcr unsere Arbeit sehr benutzbar ist. Nur wir sollen noch daf\u00fcr Kredit bezahlen.<\/p>\n<p>Br. Damian Wojciechowski TJ<\/p>\n<p>dwojciec@jezuici.pl<br \/>\nwww.kyrgyzstan-sj.org<br \/>\nwww.jezuici.pl\/tienszan<\/p>\n<p>tel\/fax:++996-3722-22153<br \/>\nmobile: ++996-555-179395<\/p>\n<p>ul. Pushkina 20\/2<br \/>\n720901 Dzalal-Abad<br \/>\nKyrgyzstan<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahr 2010 war f\u00fcr uns reich an Ereignissen. Revolution und Krieg Am 7. 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