{"id":1237,"date":"2017-10-11T18:39:15","date_gmt":"2017-10-11T18:39:15","guid":{"rendered":"http:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/?p=1237"},"modified":"2019-05-29T18:40:39","modified_gmt":"2019-05-29T18:40:39","slug":"stephan-lipke-sj-see-berge-begegnung-ferienlager-in-kirgisien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/?p=1237","title":{"rendered":"Stephan Lipke SJ, See \u2013 Berge \u2013 Begegnung. Ferienlager in Kirgisien"},"content":{"rendered":"<p>In Kirgisien, zwischen Kasachstan, China und Usbekistan, lebt wohl eine der kleinsten katholischen Gemeinschaften der Welt: Das Land ist mit seinen Bergen, Fl\u00fcssen und Seen \u00fcberw\u00e4ltigend sch\u00f6n, aber sehr arm. Es ist halb so gro\u00df wie Deutschland, es hat etwa vier Millionen Einwohner, aber davon sind h\u00f6chstens zweitausend katholisch. Meistens geh\u00f6ren diese Katholiken zu den \u00e4rmeren Bev\u00f6lkerungsschichten, denn ihre Familien sind erst vor ein paar Jahrzehnten aus Korea, aus Litauen, aus der Ukraine eingewandert, und so haben sie kein Netz von verwandtschaftlichen Beziehungen. Solche Bindungen sind aber in einem muslimischen Land sehr wichtig.<\/p>\n<p>Trotzdem \u2013 oder gerade deshalb \u2013 ist es wichtig, dass sich auch hier die Christen als \u201eSalz der Erde\u201c verstehen. Deshalb organisiert Bruder Damian Wojciechowski SJ jedes Jahr unter anderem mehrere Ferienlager. In diesem Jahr waren es vier: Eines f\u00fcr katholische Kinder, zwei f\u00fcr Studierende (fast oder ganz ausschlie\u00dflich Muslime) und eines f\u00fcr katholische Jugendliche und junge Erwachsene. An diesem Lager hatte ich die M\u00f6glichkeit teilzunehmen. Vom Aufbau und Ablauf her waren aber alle Lager sehr \u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Am Freitag, 31.7., fuhren wir mit Kleinbussen und PKW von der Hauptstadt Bischkek an den See Issyk-Kul, den gr\u00f6\u00dften See Kirgisiens. F\u00fcr die 400 km lange Strecke brauchten wir etwa sechs Stunden. Mit dabei waren knapp vierzig Jugendliche und junge Erwachsene, die meisten aus verschiedenen Gegenden Kirgisiens, etliche aber auch aus Usbekistan. Manche Teilnehmer hatten insgesamt f\u00fcnf Tage Anreise gehabt. Als geistlicher Leiter war ein Franziskaner-Pater aus Usbekistan dabei, P. Pjotr, au\u00dferdem eine Ordensschwester und insgesamt acht Freiwillige aus Schottland, Slowenien, Polen u. a.<\/p>\n<p>Die Jugendlichen stammten zum Teil aus sehr schwierigen Verh\u00e4ltnissen, manche hatten fr\u00fch erfahren, was Gewalt und Alkoholismus in einer Familie anrichten k\u00f6nnen, manche hatten den Tod des Vaters erlebt, bei vielen waren die Eltern geschieden. Manche hatten sich ganz alleine in ihrer Familie entschieden, sich katholisch taufen zu lassen. Einzelne Teilnehmer waren \u00fcbrigens auch ungetauft. Bruder Damian war es von Anfang an wichtig, dass alle lernten, sich im Lager an Regeln zu halten und am Gelingen des Ganzen mitzuarbeiten. So mussten Jugendliche gleich die Lebensmittel und Putzmittel in die K\u00fcche schleppen, kochen, Tische decken, sp\u00fclen, im Freien ein Kreuz f\u00fcr eine kleine \u201eKirche\u201c aufstellen, Holz f\u00fcr Lagerfeuer sammeln und spalten und vieles mehr.<\/p>\n<p>Die Tage waren gepr\u00e4gt von den Gebetszeiten: Morgengebet, vor dem Mittagessen die Eucharistie (nat\u00fcrlich nur in den \u201ekatholischen\u201c Lagern), am Nachmittag ein Vortrag von Bruder Damian oder P. Pjotr zum Thema: welches Ziel, welchen Sinn, welche Richtung kann mein Leben haben, am Abend schlie\u00dflich ein Nachtgebet. Sehr ausgepr\u00e4gt war bei vielen Jugendlichen die Neigung, zur Gitarre geistliche Lieder zu singen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der ersten Tage gingen wir immer wieder an den See Issyk-Kul, in dem man hervorragend schwimmen und an dessen Ufer man sehr sch\u00f6n in der Sonne liegen kann. Das Gef\u00fchl ist vielleicht \u00e4hnlich wie an der Ostsee, nur dass man wei\u00df: Man liegt auf 1000 m H\u00f6he, und dass man ringsum Dreitausender sehen kann.<\/p>\n<p>Nach einigen Tagen ging es f\u00fcr drei Tage und zwei N\u00e4chte in die Berge, d. h. wir nahmen mit, was wir konnten, und lie\u00dfen die Holzh\u00e4user am See zur\u00fcck. In 3200 m H\u00f6he wurden dann Zelte aufgestellt, zu denen die meisten etwa 15 km lang wandern mussten. Die Zelte auf- und wieder abzubauen war nicht leicht, denn der Wind pfiff ziemlich stark. Leider hatten wir dort ziemlich Pech mit dem Wetter, denn an zwei Nachmittagen war es sehr kalt und regnerisch. Vormittags konnten wir jedoch sch\u00f6ne Wanderungen unternehmen. Gekocht wurde auf einem Feuer an einer windgesch\u00fctzten Stelle hinter einem Felsen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gingen bzw. fuhren wir von dort wieder zur\u00fcck und ruhten uns noch einige Tage lang am See aus. In diese Tage fielen noch zwei H\u00f6hepunkte des Lagers. Denn an einem Abend gab es die Disko \u2013 die dort genauso wenig fehlen durfte wie in Deutschland, auch wenn sie einmal verschoben werden musste, weil es keinen Strom gab. Au\u00dferdem kam Bischof Nikolaus Messmer SJ die 400 km aus Bischkek angefahren, um die Jugendlichen zu besuchen und mit uns die heilige Messe zu feiern.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ging es am Montag, 10.8., zur\u00fcck nach Bischkek \u2013 und von dort f\u00fcr viele noch weiter. F\u00fcr die Jugendlichen war das, denke ich, eine wichtige Erfahrung: Sie haben erlebt, wie sie gemeinsam auch Schwierigkeiten meistern und mit ihrer Arbeit etwas erreichen konnten, sie sind Erwachsenen begegnet, denen sie wichtig waren, sie haben erlebt, dass sie als Katholiken nicht ganz allein in ihren D\u00f6rfern und St\u00e4dten sind, sie konnten jungen Menschen aus verschiedenen L\u00e4ndern begegnen. F\u00fcr uns Europ\u00e4er war das Lager ebenfalls eine gro\u00dfe Bereicherung: die Aufgeschlossenheit der Jugendlichen zu erleben, das gemeinsame Engagement und nicht zuletzt die beeindruckende Tatkraft von Bruder Damian.<\/p>\n<p>Stephan Lipke SJ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Kirgisien, zwischen Kasachstan, China und Usbekistan, lebt wohl eine der kleinsten katholischen Gemeinschaften der Welt: Das Land ist mit<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1238,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[],"class_list":["post-1237","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-de"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1237","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1237"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1237\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1239,"href":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1237\/revisions\/1239"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1238"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1237"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1237"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kyrgyzstan-sj.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1237"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}